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Horst Westphal vom Verein ViLE am heimischen PC Quelle: Anne Westphal Horst Westphal bei der Arbeit für das ViLE-Netzwerk

Gemeinsam statt einsam

Datum: 31.08.2016

Horst Westphal verbindet Menschen. Der 88-Jährige ist Mitbegründer des ViLE-Netzwerks. Dem Verein gehören bundesweit etwa 130 Seniorinnen und Senioren an. Gemeinsam organisieren sie mithilfe neuer Medien Seminare und Exkursionen und betreiben eine Online-Plattform. Die Themen seiner Generation ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, ist Westphals Anliegen - und sein persönlicher Weg, aus seinem Ruhestand etwas zu machen.

Horst Westphal gilt als wichtiger Kopf im Verein. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern des "Virtuellen und realen Lern- und Kompetenz-Netzwerks älterer Erwachsener" (ViLE) und leitet eine regionale Gruppe in Lübeck. Ihr gehören zwölf Mitglieder an. Sie treffen sich einmal pro Woche im Mehrgenerationenhaus Lübeck-Eichholz. "Wir diskutieren über gesellschaftliche Themen, die uns beschäftigen. Wir schärfen unsere Meinung und entwickeln neue Ideen", berichtet er. Sie tauschen sich über Bücher aus, die sie gelesen haben, und helfen sich gegenseitig weiter, wenn es um Computerfragen geht. Auch organisieren sie Seminare und Weiterbildungen. Sie gehen auf Exkursionen und machen Ausflüge. Als Vorstandsmitglied nimmt Westphal auch an virtuellen Konferenzen per Computer teil und bleibt so im Austausch mit Netzwerk-Mitgliedern in ganz Deutschland.

"Das Schöne ist: Ich erlebe so viele Dinge. Und ich bin froh, meine Erfahrung weiterzugeben", sagt der Lübecker. Das ViLE verbindet deutschlandweit etwa 130 Menschen. Die Gemeinschaft versteht sich als Anlaufstelle für ältere Menschen, die Freude daran haben, mit der Zeit zu gehen, neue technische Möglichkeiten zu entdecken und in Kontakt mit anderen Menschen zu sein. Neben gemeinsamen Unternehmungen ist die Online-Plattform das Herzstück des Vereins. Auf der Website veröffentlichen die Mitglieder regelmäßig Textbeiträge, für die sie sich viel Zeit nehmen. Gesellschaft und Politik, Reisen, Kultur und Europa: Die Bandbreite der Themen ist groß. ViLE nimmt auch Kontakt zu Politikern, Verbänden und Unternehmen auf und bittet per Mail um Stellungnahmen.

Einmal Reporter, immer Reporter

Es ist journalistisches Handwerk, das die Beteiligten täglich betreiben. Dazu gehören auch Ratgebertexte: Stücke über den Umgang mit dem PC oder Texte zur Sicherheit von Passwörtern. Als ehemaliger Reporter und Pressereferent ist Horst Westphal in seinem Element. Er kann auf seine Erfahrungen im Berufsleben zurückgreifen, sein Gespür für Themen ist ihm bis ins Alter von 88 Jahren geblieben. So kam er zum Beispiel bei einer Weiterbildungsveranstaltung im baden-württembergischen Bad Urach auf die Idee für einen neuen Servicebeitrag. Einige Senioren, die mit ihm im Publikum saßen, hätten den Referenten gebeten, lauter zu sprechen, erinnert sich Westphal. Wenige Zeit später erscheint auf der Webseite des ViLE-Netzwerks ein Artikel über Hörprobleme. Der Titel: "Bitte etwas lauter!"

In dem Beitrag forderte der 88-Jährige die Leser auf, Erfahrungsberichte zu schicken. Sie sollten sich dazu äußern, ob einfache Hörgeräte genügen oder doch die "Luxusklasse" notwendig sei. Viele Senioren haben darauf geantwortet. Entstanden ist ein kleines Dossier, geschrieben von Senioren für Senioren, das von Hörproblemen im Alter handelt. "Jedes Mal", so Westphal, "freue ich mich, wenn wir unser Portal mit einem neuen Beitrag füllen können." Die Plattform beschreibt der ehemalige Reporter aus Lübeck als Sprachrohr älterer Menschen. "Wir greifen Themen auf, die Senioren beschäftigen - und die leider häufig vergessen werden."

Als das ViLE-Netzwerk im Jahr 2002 gegründet wird, gehört Westphal zu den Initiatoren. Damals 74 Jahre alt und nach einem Seniorenstudium in Hamburg gewillt, seinen Alltag engagiert zu gestalten, besucht er ein Seminar in Bad Urach. In Kooperation mit dem Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm (ZAWiW) entsteht die Idee, ein neues Angebot für Senioren zu schaffen. Eine kleine Gruppe entschließt sich, regionale Vertretungen zu gründen. Als Westphal zurück nach Lübeck reist, ist er begeistert von dem Vorhaben. Doch zunächst ist er allein und fragt sich: "Mit wem soll ich das Projekt umsetzen?"

Der ehemalige Reporter wendet sich an die Lübecker Nachrichten, gibt eine Annonce auf und lädt Senioren zu einem ersten Treffen ein. Westphal schwebt eine Art Senioren-Computer-Club vor. "In dieser Zeit wussten ältere Menschen überhaupt nichts von PCs ", erklärt er. In einer evangelischen Tagungsstätte empfängt Westphal etwa 30 Leute. Einige verabschieden sich rasch. Andere bleiben dem Netzwerk erhalten und gehören bis heute zur Lübecker Regionalgruppe.

Ausgezeichnet mit dem Otto Mühlschlegel Preis

Seit der Gründung des Vereins zählt der 88-Jährige zum Rückgrat des Netzwerks. Und acht Jahre später ernten Westphal und seine Mitstreiter die Früchte ihres ehrenamtlichen Engagements. 2010 zeichnet die Robert Bosch Stiftung das Netzwerk in Baden-Baden mit dem Otto Mühlschlegel Preis "Zukunft Alter" aus. Für seinen Einsatz für Selbstbestimmung und Lebensqualität im Alter erhält das Netzwerk 50.000 Euro. Es ist Geld, das der Verein dringend braucht. "Wir zehren heute noch davon", sagt Westphal, der als Mitglied des Vorstands die finanziellen Ressourcen des Vereins im Blick hat und dankbar für jede Einnahme ist, die die Kosten für Räume, Computer und neue Programme deckt.

Eine weitere Auszeichnung folgt ein Jahr später. Die Lübecker Regionalgruppe erhält im Wettbewerb um den Bürgerpreis in Schleswig-Holstein die Medaille des dortigen Landtags. Westphal: "Das war eine große Ehre." Für ihn persönlich als Gründer der Lübecker Gruppe ein weiterer Meilenstein. Nie, so der 88-Jährige, habe er aufgehört, an das Netzwerk zu glauben. Sich weiterzuentwickeln und sich zu vernetzen seien Kompetenzen, die gerade im Alter gefragt seien. Auch für sich selbst hat Westphal viel gelernt. Heute kann er Textbeiträge mit einem speziellen Programm auf die Webseite laden und selbstständig Online-Videos drehen. In diesem Element ist Westphal, was er sein Leben lang war: ein wacher Geist, der nicht müde wird, sich neu zu erfinden.

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