Quelle: Kinderwarenkorb Pfungstadt
Gemeinsam wachsen: Rosel Hopf hat in Pfungstadt einen Kindertreffpunkt gegründet.
Im Einsatz für die Kleinsten
Datum: 01.06.2016
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" Diesen Gedanken des Autors Erich Kästner hat sich Rosel Hopf zum Lebensmotto gemacht. 2007 gründete die 73-Jährige den "Warenkorb Pfungstadt". Nur ein Jahr später kam der "Kinderwarenkorb" dazu. Heute ist der Treffpunkt für die Kleinen nicht mehr aus der Stadt wegzudenken.
Wenn Rosel Hopf eine Idee hat, tut sie alles, um sie zu verwirklichen. Zweifel schiebt sie beiseite. Probleme betrachtet sie als Aufgaben. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagt die gelernte Verkäuferin. Dass Skeptiker ihre Einfälle anfänglich oft belächeln, daran hat sich Rosel Hopf mittlerweile gewöhnt. Bisher konnte sie ihre Ideen jedoch immer umsetzen. Ein Beispiel ist der "Kinderwarenkorb Pfungstadt", ein wöchentlicher Treffpunkt für Jungen und Mädchen.
Ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer basteln und spielen mit den Kindern, lesen ihnen vor und musizieren gemeinsam. Und immer wieder gibt es auch besondere Veranstaltungen: Zu Ostern bemalen die Kinder Eier und bekommen Körbe mit Süßigkeiten. Im Herbst verzieren sie Kürbisse mit Gesichtern, und in der Adventszeit erzählen die Betreuer die Weihnachtsgeschichte oder basteln zusammen mit den Mädchen und Jungen Baumschmuck. "Es freut mich immer wieder, dass die Kleinen gerne bei uns sind", sagt Rosel Hopf. "Meine Mitarbeiter und ich sind mittlerweile zu Vertrauenspersonen geworden, die auch pädagogische Arbeit leisten. Wir hören zu, trösten und vermitteln wichtige Werte."
Anfangs ein marodes Haus
Angefangen hat alles 2007. Damals wollte der Pfungstädter Bürgermeister in seinem Ort eine Anlaufstelle eröffnen, um Lebensmittel günstig an Bedürftige weiterzugeben. Rosel Hopf bot an, die Sache in die Hand zu nehmen. Die 73-Jährige und ihre beiden ehrenamtlichen Helferinnen standen anfangs vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Zwar stellte ihnen die Stadt ein Haus zur Verfügung, doch das war seit Jahren ungenutzt und verfallen: kein Strom, kein Wasser, keine Toilette. "Wir haben uns Hilfe gesucht, Pinsel geschnappt und weitere Unterstützer gewonnen", berichtet Hopf. Nach einigen Wochen eröffneten sie den "Warenkorb Pfungstadt". Hier können Menschen mit geringem Einkommen für einen symbolischen Euro einkaufen. Zu den Kunden gehören unter anderem alleinerziehende Mütter, ältere Menschen, Arbeitssuchende oder Geflüchtete.
Die Lebensmittel stammen von Bauernhöfen oder Supermärkten aus der Region, wo die ehrenamtlichen Helfer sie einsammeln. Größtenteils sind es Spenden, die abgegeben werden, weil etwa das Verfallsdatum näher rückt, Verpackungen beschädigt sind oder die Produkte aus dem Sortiment genommen wurden. Gibt es einen Bedarf, der nicht durch die Spenden gedeckt ist, kaufen die Helfer des Warenkorbs diese Dinge zusätzlich ein.
Der Warenkorb bekommt "Nachwuchs"
Einmal in der Woche ist Warenausgabe. Etwa 450 Kunden kommen regelmäßig vorbei - viele von ihnen mit ihren Kindern. "Als ich im ersten Herbst nach unserer Eröffnung sah, wie lange die Kleinen geduldig in der Kälte standen, damit ihre Mütter und Väter bei uns einkaufen konnten, war mir klar: Wir brauchen eine Lösung", sagt Rosel Hopf. Sie bat den Bürgermeister, ein leer stehendes Haus neben dem Warenkorb zur Verfügung zu stellen. Sobald Rosel Hopf die Zusicherung hatte, warb sie um Unterstützung. "Ich habe Freunde gefragt, ob sie etwas spenden können, und Firmen um Hilfe gebeten. Wie bereits beim ‚Warenkorb Pfungstadt‘ erhielten wir auch für unser neues Projekt viel Zustimmung", erzählt die gelernte Verkäuferin. Entsprechend schnell eröffnete sie zusammen mit ihrem Team 2008 den Kinderwarenkorb.
Andere zum Helfen animieren
Rosel Hopf, Großmutter dreier Enkel, empfindet Freude, wenn sie Wünsche erfüllen kann. Wird zum Beispiel zu Weihnachten Spielzeug für die Kinder gebraucht, nimmt sie Kontakt zu Unternehmen auf und bittet um Spenden. Die Rückmeldungen, sagt sie, seien durchweg positiv: "Man muss nur aktiv werden und Menschen ansprechen. Eine freundliche Bitte fällt meistens auf fruchtbaren Boden." Manchmal funktioniert es auch umgekehrt: So kam die Justizvollzugsanstalt Darmstadt auf sie zu. Die Werkstatt der JVA schenkte Rosel Hopf selbst gebaute Vogelhäuschen, damit die Kinder im Winter Vögel füttern konnten. Das Bewusstsein für die Natur, gegenseitiger Respekt und die Bedeutung der kleinen Dinge: All das sind Werte, die Rosel Hopf und ihre Helfer den Schützlingen vermitteln möchten.
Früh hat Rosel Hopf erfahren, wie es ist, anderen zu helfen. Mit 16 absolvierte sie eine Lehre zur Verkäuferin. Sie wollte schnell auf eigenen Beinen stehen und ihre Mutter entlasten, die nach dem frühen Tod des Vaters zwei Kinder allein versorgen musste. Ein Vorhaben, dass sie schnell umsetzen konnte: Bereits mit 22 Jahren stieg Rosel Hopf zur Abteilungsleiterin auf. In einer Position, in der vor allem Männer das Sagen hatten, war Durchsetzungsstärke gefragt. "Damit meine Kollegen mich ernst nehmen, musste ich ihnen zeigen, dass ich die Position verdient habe", erinnert sie sich. Diesen Biss und ihren Einfallsreichtum hat sie bis heute bewahrt.
Aus zwei Zimmern werden elf
Auch nach Eröffnung des Kinderwarenkorbs im Jahr 2008 hatte sie viele Ideen: Warum sollte aus dem kleinen Treffpunkt nicht mehr gemacht werden? Mittlerweile ist aus zwei Betreuungsräumen eine Einrichtung mit elf Zimmern geworden. Neben Spiel- und Aufenthaltsräumen gibt es auch eine Kleiderkammer für Kinder und eine für Erwachsene. Dort können Kunden vom Babystrampler über Kapuzenpullover bis hin zum Blazer viele Kleidungsstücke für wenig Geld bekommen. Auch Spielsachen und Haushaltswaren sind dabei. Die Einnahmen fließen zurück in das Projekt.
Neben den Räumen ist zudem die Zahl der Helfer gewachsen. Während anfangs drei Ehrenamtliche aktiv waren, engagieren sich heute schon mehr als 50 im "Warenkorb" und im "Kinderwarenkorb". Zum Team gehören auch zwei Geflüchtete. Die jungen Männer aus Syrien und Ägypten dolmetschen und packen überall mit an. Wer sie motiviert hat zu helfen? Es war Rosel Hopf. Sie sagt: "Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, verschiedene Kulturen oder Alt und Jung zusammenzubringen und den Menschen zu zeigen, dass sie gebraucht werden. Mit zwei gesunden Händen kann man so viel Schönes schaffen."