In 90 Minuten zum Demenz Partner werden
Datum: 07.09.2016
Eine neue Initiative will das Engagement für Menschen mit Demenz fördern. Unter dem Motto „Demenz braucht Dich“ können Interessierte einen kostenlosen Kurs wahrnehmen und sich im Umgang mit Betroffenen weiterbilden lassen. Das Projekt wurde Anfang September vorgestellt und hat eine Laufzeit von fünf Jahren.
Quelle: BMG / Gülde
Monika Kaus, Vorsitzende der Deutschen Alzeimer Gesellschaft (links), Familienministerin Schwesig und Gesundheitsminister Gröhe beim Start der Initiative "Demenz Partner".
Etwa 1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt. Bis Mitte des Jahrhunderts sollen es mehr werden – etwa drei Millionen. Sollte kein Durchbruch in der Behandlung und Prävention gelingen, werden immer mehr Menschen an der Gehirnerkrankung leiden. Umso wichtiger ist es, die Kenntnisse darüber zu verbreiten und Menschen, die in Kontakt mit Betroffenen sind, zu stärken. Mit der von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft durchgeführten Initiative „Demenz Partner“ haben das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) als Förderer und Unterstützer Anfang September den Startschuss für mehr Engagement bei der Unterstützung von Demenz erkrankten Menschen gegeben.
Verantwortung übernehmen, Verständnis schaffen
„Mit der Initiative möchten wir möglichst viele Menschen gewinnen, sich zu informieren, Verantwortung zu übernehmen und sie für Möglichkeiten der Hilfe und Begleitung sensibilisieren, für ein verständnisvolleres Miteinander“, erklärte Bundesseniorenministerin Manuela Schwesig bei der Vorstellung der Initiative. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe fügte hinzu: „Ob es um Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft oder Hilfestellungen beim Einkauf, im Bus oder beim Behördengang geht – jeder von uns kann ein ‘Demenz-Partner‘ werden.“ Die neuen Kurse würden helfen, mehr Verständnis für an Demenz erkrankte Menschen zu entwickeln und ihnen im Alltag hilfreich zur Seite zu stehen, so der Minister.
Der Slogan „Demenz braucht Dich“ verdeutlicht: Der Umgang mit der Krankheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, in der alle, nicht nur Fachkräfte, einen Beitrag leisten können. Nach dem Vorbild der Aktion „Dementia Friends“ der englischen Alzheimer-Gesellschaft, bei der mehrere Millionen Menschen in Großbritannien, Kanada, Nigeria, China und anderen Ländern geschult wurden, können Bürgerinnen und Bürger ihre Kompetenzen erweitern.
Selbstbewusst im Alltag helfen
Konkret geben Experten in bundesweiten Kursen Tipps und vermitteln Wissen zum Krankheitsbild. Die Kurse dauern 90 Minuten und sind kostenlos. Eine Urkunde sowie ein Anstecker weisen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Demenz Partner aus. Danach haben sie eine genauere Vorstellung, wie sie auf Betroffene im Alltag zugehen und ihnen Hilfe anbieten können. Begegnet ihnen beispielsweise eine Person, die Anzeichen von Verwirrung und Vergesslichkeit zeigt, kann ein ausgebildeter Demenz Partner mit der Situation souverän umgehen, effektiv helfen und als Vorbild für andere Menschen dienen.
Auf der Webseite der Initiative können Veranstalter Kurse anbieten. Mit der Registrierung erhalten sie Zugang zum geschützten Bereich der Homepage und können Kurse eintragen und Informationsmaterialien anfordern. Ebenfalls können Interessierte eine Veranstaltung in ihrer Nähe mithilfe der Kurssuche finden. Das Bundesgesundheitsministerium ist im Rahmen der Initiative bereits als gutes Beispiel vorangegangen. Gesundheitsminister Gröhe und seine Angestellten haben eine Informationsveranstaltung besucht und sind nun eingetragene Demenz Partner.
"Woche der Demenz" im September
Auch bei der "Woche der Demenz" vom 19. bis 25. September stehen konkrete Hilfen für Patienten und Familien im Fokus. Mit vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen schaffen lokale Allianzen unter dem Motto „Jung und Alt bewegt Demenz“ Verständnis für Betroffene und machen auf Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam. Mittlerweile haben sich fast 500 lokale Allianzen für Demenz in Deutschland gebildet. Seit 2012 fördert das BMFSFJ die Hilfsnetzwerke vor Ort. Im Rahmen der fünften und letzten Förderwelle sind zum 1. September 122 Standorte etabliert worden.
