Arbeitszeitreport: Wer im Rentenalter arbeitet, ist damit meist zufrieden
Datum: 13.10.2016
Wie viel arbeiten Menschen in Deutschland? Und wie lange würden sie gerne beruflich tätig sein? Diesen Fragen geht der Arbeitszeitreport Deutschland 2016 nach. Der Bericht betrachtet die Situation in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen und Lebenslagen. Außerdem macht er auf Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie Jüngeren und Älteren aufmerksam. Nicht zuletzt geht der Report auf das Arbeiten im Rentenalter ein.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat am 10. Oktober den Arbeitszeitreport Deutschland 2016 vorgestellt. Er basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 20.000 Beschäftigten in Deutschland und gibt detailliert Aufschluss über die tatsächliche Arbeitszeit in deutschen Unternehmen sowie die Arbeitszeitwünsche von Beschäftigten und Selbstständigen. Die Autoren gehen der Frage nach, wie sich unterschiedliche Arbeitsanforderungen und Beschäftigungsverhältnisse auf die Zufriedenheit mit dem Beruf auswirken und welche Rolle die Lebenssituation dabei spielt. Ebenfalls untersuchen sie den Zusammenhang zwischen verschiedenen Arbeitszeitkonstellationen und der Gesundheit der Beschäftigten.
Arbeitspensum und Gesundheit
In Deutschland arbeiten Vollzeitbeschäftigte im Durchschnitt 43,5 Stunden pro Woche und damit knapp 5 Stunden länger als vertraglich vereinbart. Teilzeitbeschäftigte - es sind noch immer deutlich mehr Frauen als Männer - arbeiten durchschnittlich 23,1 Stunden pro Woche. Längere Arbeitszeiten haben häufig betriebliche Ursachen - beispielsweise ein Arbeitspensum, das in der vereinbarten Arbeitszeit nicht zu bewältigen ist. Lange Arbeitszeiten gehen häufig mit Termin- oder Leistungsdruck einher. Betroffene berichten vermehrt über gesundheitliche Beschwerden sowie häufig auch über eine schlechtere allgemeine Gesundheit, geringere Arbeitszufriedenheit und schlechtere Work-Life-Balance.
Arbeitszeitwünsche und Alter
In einem eigenen Kapitel geht der Arbeitszeitreport der Frage nach, inwieweit die Zufriedenheit mit der Arbeitszeit von den Lebensumständen abhängt. Es zeigte sich, dass die Wunscharbeitszeit von vielen verschiedenen Faktoren - darunter Alter, Partnerschaft, Familienstand und Gesundheitszustand - abhängig ist. Ein weiterer Befund der Forscher: Unter Teilzeitbeschäftigten steigen die tatsächlichen Wochenstunden mit den Jahren leicht an, der Wunsch nach Erhöhung der Stundenzahl nimmt aber gleichzeitig ab. Bei den Vollzeitbeschäftigten sinkt die tatsächliche Wochenarbeitszeit ab 50 Jahren leicht, gleichzeitig steigt der Wunsch, weniger zu arbeiten. Gesundheitliche Gründe könnten ausschlaggebend sein: "Es gibt", so die Autoren des Reports, "Hinweise, dass der Verkürzungswunsch von Voll- und Teilzeitbeschäftigten mit gesundheitlichen Beschwerden verknüpft ist."
Arbeitszeit im Ruhestandsalter
Auch auf die Beschäftigung von Menschen, die älter als 65 Jahre sind, gehen die Autoren des Arbeitszeitreports ein. Sie stellen fest: "Die meisten Personen, die im Ruhestandsalter noch erwerbstätig sind, sind männlich (69 Prozent), selbstständig beziehungsweise in anderer Form nicht abhängig beschäftigt (61 Prozent) und arbeiten im Dienstleistungsbereich (55 Prozent)." Ein Drittel der Erwerbstätigen im Ruhestandsalter sei "solo-selbstständig", habe also keine Angestellten. Etwa jeder Zehnte habe mehrere Erwerbstätigkeiten. Weitere Ergebnisse: Im Durchschnitt arbeiten Erwerbstätige im Ruhestandsalter knapp 32 Stunden in der Woche, haben eine vergleichsweise hohe Bildung und schätzen ihren Gesundheitszustand im Mittel genauso gut ein wie die Erwerbstätigen im Alter bis 65 Jahre. Ihre Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance ist vergleichsweise hoch.
Flexible Arbeitszeiten
In immer mehr Betrieben haben Beschäftigte flexible Arbeitszeiten. Sie empfinden dies einerseits als Vorteil, wenn sie die Zeiten selbst beeinflussen können. Fehlt diese Mitbestimmung und verlangt lediglich das Unternehmen den flexiblen Einsatz, stufen die Angestellten dies allerdings als Nachteil ein. Dabei gibt es wiederum einen deutlichen Zusammenhang zur Gesundheit: "Einflussmöglichkeiten auf die Arbeitszeit gehen mit einer besseren Gesundheit und einer höheren Zufriedenheit von Beschäftigten einher", so die Autoren. Andererseits erwiest sich: Kurzfristige Arbeitszeitänderungen durch den Arbeitgeber wirken belastend und Bereitschaftsdienst sowie Rufbereitschaft werden mit gesundheitlichen Beschwerden assoziiert. Dies gilt auch, wenn von Beschäftigten erwartet wird, außerhalb der Arbeitszeit für dienstliche Angelegenheiten erreichbar zu sein oder sie sogar tatsächlich kontaktiert werden.