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"Persönlichkeit gewinnt, Kompetenz überzeugt": Interview mit der Unternehmerin Brigitte Kräußling über Existenzgründung

Wer über 50 ist, besitzt jede Menge persönliche Erfahrungen und berufliches Fachwissen. Ob als Alternative zur Arbeitslosigkeit oder als Erfüllung eines lange gehegten Traumes: Viele Ältere nutzen ihre Kompetenzen, um sich selbstständig zu machen.
 Welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, dazu gibt die Unternehmerin Brigitte Kräußling (48) im Interview mit "Erfahrung ist Zukunft" Auskunft. Als Geschäftsführerin von "AK-TIV, Agentur für Kompetenz und Events", bietet sie Menschen aller Altersklassen Einzelberatungen und Schulungen in beruflicher und persönlicher Lebensgestaltung an.
 
Erfahrung ist Zukunft: Frau Kräußling, auf welche Kompetenzen kommt es bei Existenzgründungen Ihren Erfahrungen nach besonders an?
 
Brigitte Kräußling: Wer sich selbstständig machen will, muss seine eigenen Fähigkeiten selbstkritisch reflektieren und sich ehrlich fragen: Was kann ich überhaupt? Es ist für Existenzgründerinnen und -gründer von Vorteil, wenn sie selbstbewusst sind und gut kommunizieren können. Existenzgründer sollten organisatorische Fähigkeiten besitzen und über betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen verfügen. Sie müssen von ihrer Idee überzeugt sein. Und sie brauchen die Fähigkeit, akquirieren zu können. Ganz wichtig sind gute Kontakte und Netzwerke. Viele erfolgreiche Existenzgründerinnen und -gründer waren vorher oder sind auch heute noch ehrenamtlich tätig. Das heißt, sie können organisieren und delegieren und besitzen oft auch Führungsqualitäten
 
EiZ: Welche Voraussetzungen sollten Selbstständige mitbringen?
 
Kräußling: Mein Leitspruch lautet: Persönlichkeit gewinnt, Kompetenz überzeugt. Darüber hinaus ist die fachliche Qualifikation eine wichtige Voraussetzung. Ebenso sollte entsprechendes Startkapital vorhanden sein. Selbstständige brauchen meistens zwei Jahre, um richtig durchstarten zu können. Zu Beginn sind sie hoch motiviert, aber die Motivation schwindet, wenn es nicht läuft. Gründerinnen und Gründer müssen daher in den ersten Jahren richtig "Gas geben", die Initiative ergreifen und kreativ sein. Daneben müssen sie Abläufe verstehen und Märkte kennen. Wichtig ist es, seine Zielgruppe genau zu definieren und die richtigen Kunden gezielt anzusprechen. Selbstständige müssen ihr Produkt oder ihre Dienstleistungen und deren Nutzen für die Kunden klarmachen können. Salopp gesagt, muss man verkaufen können, nicht nur sein Produkt, sondern auch sich selber. Interessant ist die unterschiedliche Herangehensweise von Frauen und Männern bei der Existenzgründung. Frauen tendieren dazu, "es einmal zu versuchen", zum Beispiel etwas im Bereich Büroservice. Männer "klotzen" hingegen mehr rein. Sie treten selbstbewusster auf und investieren mehr Geld. Das wirkt sich aber nicht unbedingt auf der Erfolgsquote aus.
 
EiZ: Was sind die häufigsten Schwierigkeiten und Fehler, die bei einer Existenzgründung auftreten?
 
Kräußling: Es sind vor allem finanzielle Schwierigkeiten zu bewältigen und Durststrecken zu überstehen. Nachdem die Förderung der Ich-AGs ausgelaufen ist, werden finanzielle Unterstützungen für ein halbes Jahr bewilligt, danach erfolgt eine Neuüberprüfung. Wenn das nötige Startkapital fehlt, wird es mit der Existenzgründung sehr schwer. Auch der Vertrieb oder der Verkauf werden oft unterschätzt. Es reicht nicht, das beste Produkt anzubieten, wenn die Leute es nicht kennen, nicht wollen und letztendlich dann auch nicht kaufen.
 
EiZ: Inwieweit werden Existenzgründungen finanziell unterstützt? Wo kann man diese Unterstützung beantragen?
 
Kräußling: Dazu gibt es verschiedene Angebote, beispielsweise bei der Mittelstandsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Informationen zu finanziellen Förderungen finden Existenzgründerinnen und -gründer auch im Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) unter www.existenzgruender.de. Schwieriger gestaltet sich die Unterstützung durch die Hausbank. Die verweist oft darauf, eigene Ersparnisse zu verwenden.
 
EiZ: Wo erhalten Interessierte professionelle Hilfe?
 
Kräußling: Es gibt zentrale Beratungsstellen für Gründerinnen und Gründer bei den Industrie- und Handelskammern oder bei den Wirtschaftsministerien. Diese bieten wichtige Informationen für die Startphase an. Beim Bundesfinanzministerium (www.bmf.bund.de) können sich Selbstständige Software zur Unternehmensführung oder Musterbeispiele von Businessplänen herunterladen. Außerdem lohnt es sich, Gründungsmessen zu besuchen oder an Existenzgründungsseminaren teilzunehmen.
 
EiZ: Welche Risiken gehen Selbstständige ein und wie können sie diese minimieren?
 
Kräußling: Zunächst gibt es das Risiko, dass es mit der Existenzgründung nicht so klappt, wie man sich das vorgestellt hat. Selbstständig zu sein, bedeutet auch immer, flexibel sein zu müssen und auf unvorhergesehene Situationen reagieren zu können. Die Angst vor dem Versagen sitzt vielen Gründerinnen und Gründern im Nacken. Ein mögliches Scheitern sollte nicht als persönliches Versagen gesehen werden. Viel sinnvoller ist es, aus den Fehlern zu lernen und es noch einmal zu versuchen. Daher sollten sich Existenzgründerinnen und -gründer die Sache von Grund auf überlegen, einen Businessplan aufstellen, den Markt sondieren und nicht nur aus dem Bauch heraus entscheiden. Womöglich lassen sich auch Partner finden und interessante Kooperationen eingehen. Das minimiert das Risiko und die Kosten, und jeder motiviert jeden.