An der Universität Potsdam gibt es ein spezielles Programm für arbeitslose Akademikerinnen und Akademiker ab 50 Jahren. In Kooperation mit regionalen Unternehmen arbeiten die Teilnehmenden an realen Projekten. Zugleich nehmen sie an einer Qualifizierung teil.
Wolfgang Kotzschmar (59) sucht nach beruflichen Netzwerken und neuer Inspiration. Bereits seit einiger Zeit ist der managementerfahrene Maschinenbauingenieur arbeitslos. Im Oktober 2009 hat er wieder begonnen zu studieren. Kotzschmar absolviert allerdings kein normales Studium, sondern er nimmt am Projekt "Campus der Generationen" der Universität Potsdam teil. Dieses Qualifizierungsprojekt für Akademikerinnen und Akademiker ab 50 Jahren wird vom Brandenburgischen Ministerium für Arbeit, Soziales und Familie (MASF) und Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Durchgeführt und wissenschaftlich begleitet wird es an der Universität Potsdam von der UP Transfer GmbH.
Altersgemischte Projektteams
Mit "Campus der Generationen" werden vor allem die Potenziale von älteren Erwerbslosen hervorgehoben und gefördert. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen in Berlin-Brandenburg sollen die Chancen besser erkennen und nutzen, die ältere Hochqualifizierte ihnen bieten. Die rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten gemeinsam mit Studierenden der Universität Potsdam in kleinen Projektteams. Ein Team besteht in der Regel aus zwei älteren Arbeitssuchenden und zwei Studierenden. Ein Qualifizierungsdurchgang dauert wie ein Semester an der Universität sechs Monate. Während dieser Zeit bearbeiten die Teams konkrete Aufgabenstellungen, die sie von beteiligten Unternehmen aus der Region gestellt bekommen. "Die Projekte sind alle sehr interessant, praxisnah und herausfordernd", findet Wolfgang Kotzschmar.
Anfangs wurden die Projekte der Unternehmen je nach persönlichen Schwerpunkten der Teammitglieder auf die Kleingruppen aufgeteilt. Anschließend suchten sich die Teilnehmenden an der Universität Potsdam passende Vorlesungen heraus, wo sie sich noch mehr Fachwissen für die Projektarbeit aneignen. Zudem besuchen sie Seminare und Workshops, in denen sie spezielle Managementtechniken wie zum Beispiel Konfliktmanagement, Teamarbeit und Projektmanagement lernen. "Wir bekommen in der Universität die Werkzeuge, mit deren Hilfe wir die eigentliche Aufgabe des Unternehmens erfüllen können. Das ist im Grunde der Leitfaden, mit dem wir später die Projekte richtig bearbeiten", erklärt Wolfgang Kotzschmar. Während des Qualifizierungszeitraums sind die Teilnehmenden als Gasthörende an der Universität eingeschrieben und können alle Angebote der Hochschule nutzen.
"Wieder richtig Lust sich einzubringen"
An der Universität sind Jüngere und Ältere eigenständig aktiv. Im Unternehmen und in den Projekten jedoch arbeiten die generationenübergreifenden Teams gemeinsam. "Wir sind als Projektteam einmal in der Woche in der Firma. Dort haben wir eigene Räume zur Verfügung und können die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit um Rat fragen", so Kotzschmar. Er und sein älterer Teampartner arbeiten gemeinsam mit einer Studentin und einem Studenten an einem Projekt der Firma aibis aus Potsdam. Sie entwickeln dort ein Konzept zur Markteinführung einer modernen RFID-Technik in Bibliotheken. Mit dieser Technik können Bücher mittels elektromagnetischer Felder automatisch identifiziert und verwaltet werden. "Wir müssen in dem Konzept erarbeiten, wie die vorhandenen Komponenten mit dem Produkt besser genutzt werden können und welche neuen Dienstleistungen erschlossen werden können", erklärt Wolfgang Kotzschmar.
Das gesamte Projekt "Campus der Generationen" gefällt Wolfgang Kotzschmar sehr gut. Zum einen fordert die Aufgabe im Unternehmen ihn fachlich heraus und motiviert ihn, sich weiter einzubringen. Zum anderen schätzt Kotzschmar den Austausch mit den jungen Studierenden. Während diese den Älteren ihre neuesten Kenntnisse aus dem Studium vermitteln, bekommen sie im Gegenzug praktische Tipps von berufserfahrenen Experten. "Das ist für mich ein Wachstumsmarkt und sollte wirklich Schule machen. Man bekommt durch solche Projekte wieder richtig Lust sich einzubringen", sagt Kotzschmar.