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Mit Pfeil und Bogen: Harry Mark lehrt Meditation

30 Jahre lang arbeitete Harry Mark an der Börse. Ein ungewöhnliches Hobby ließ ihn die innere Ruhe bewahren: meditatives Bogenschießen. Heute unterrichtet er die Technik hauptberuflich und hilft damit vielen Menschen, Entspannung in den Alltag zu bringen.
Erfahrung ist Zukunft (EiZ): Herr Mark, wie sind Sie zum Bogenschießen gekommen?
 
Harry Mark: Vor 25 Jahren schickte mich meine Firma nach Tokio. Als Börsenmakler war ich weltweit im Einsatz – ein enorm anstrengender Job. Dabei gab es Tage, an denen man mehr als 100 Millionen Euro verlor. Manche Leute in der Branche trinken und rauchen viel, um abends schlafen zu können. Meine Firma hat mich und meine Kollegen vorsorglich in ein japanisches Kloster geschickt, um Meditation zu lernen. Dort habe ich beim Anblick des Bogens sofort gewusst, dass ich das machen will.
 
EiZ: Wann fiel die Entscheidung, aus dem Hobby einen Beruf gemacht?
 
Harry Mark: Mit 59 Jahren hatte ich mich um eine neue Stelle beworben, aber bekam nur Absagen. Ich war frustriert. An meiner Erfahrung konnte es nicht liegen. Als Grund kam nur das Alter in Frage. Auf dem Rückweg vom letzten Bewerbungsgespräch habe ich dann angefangen, einen Geschäftsplan auszuarbeiten. 
 
EiZ: Hatten Sie jemals Sorgen, dass der Plan nicht funktionieren könnte?
 
Harry Mark: Nein. Ich hatte alles solide berechnet. Etwa, wie viele Menschen in meinem Einzugsgebiet leben, wer sich was leisten kann und wie die Kursangebote aussehen müssen. Wenn man bei einem solchen Geschäftsplan ehrlich zu sich selbst ist, kann man das Risiko weitgehend ausschließen.
 
EiZ: Wie hat sich ihr Alltag gewandelt?
 
Harry Mark: In meinem neuen Job bin ich bis 15 Uhr zu Hause und kümmere mich um die Organisation. Von 16 bis 22 Uhr gebe ich Kurse in der Halle. Hinzu kommen noch einige Wochenenden. Einmal im Monat fahre ich mit bis zu acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern in das St.-Clemens-Kloster auf der Insel Nonnenwerth bei Bonn. Bald wird es auch Kurse auf Mallorca geben.
 
EiZ: Was können Sie mit meditativem Bogenschießen gesundheitlich bewirken?
 
Harry Mark: Stressbewältigung. Stress ist das Volksleiden der Neuzeit. Es richtet mehr seelische und körperliche Schäden an als bekannt. Zu mir kommen Jugendliche, die unter ADHS leiden, ebenso wie Manager. Sie alle wollen Ruhe in die 1 000 Gedanken bringen, die uns täglich durch den Kopf gehen. In meinen Kursen lernen sie, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren. Das hilft auch im Alltag: Wer etwas konzentriert erledigt, ist effizient und macht weniger Fehler.
 
EiZ: Gibt Ihnen die neue Aufgabe mehr als Ihr früherer Job?
 
Harry Mark: In gewisser Weise ja. Ich habe jetzt mit Menschen zu tun, die eine Unterstützung brauchen, die sie anderswo vielleicht nicht bekommen. Es ist schön zu sehen, wie sich meine Arbeit positiv auswirkt.