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Mehr Wertschätzung für das Engagement

Ob Hausaufgabenhilfe oder Naturschutz, für Ältere einkaufen oder die Jugendfußballmannschaft trainieren – ohne ehrenamtliche Helfer wäre Vieles kaum möglich. Über 23 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland freiwillig. Mehr als jeder Vierte ist über 60 Jahre alt.
Sie arbeiten in Verbänden und Vereinen, Initiativen und Stiftungen. Sie investieren Geld und Ideen. Aber vor allem investieren sie ihre Zeit. Freiwillig Engagierte werden überall gebraucht.  Die Bedeutung von Freiwilligendiensten für die Gemeinschaft wächst stetig. 
 
Um den Folgen des demografischen Wandels entgegenzuwirken, schlossen sich zum Beispiel die Dörfer Harlingen, Bietzen und Menningen im Saarland zum MEHRgenerationenDORF Bietzerberg zusammen. Jüngere Familien waren weggezogen, viele Ältere übrig geblieben. Um als Wohnregion wieder attraktiver zu werden, entwickelten die Bietzerberger ein neues dörfliches Miteinander, das alle Aspekte des Zusammenlebens erfasst. Dazu gehört es, älteren Menschen zu helfen, Kranke zu besuchen, Kinder zu betreuen sowie Migrantinnen und Migranten zu integrieren. Begleitet wird das Projekt von der Christlichen Erwachsenenbildung. Um es fest zu verankern, arbeiten Einrichtungen der Jugend-, Familien- und Altenhilfe zusammen. Als Partner sind öffentliche und private Wohlfahrtorganisationen an Bord wie auch touristische Unternehmen.
 
Das ist nur ein Beispiel von Vielen. Jede und jeder kann sich einbringen – Alter und Ausbildung sind egal, Hauptsache, es hilft, verbessert und macht Spaß. Der Art des Engagements sind keine Grenzen gesetzt – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kölner Freiwilligen Agentur zum Beispiel vermittelt nicht nur Ehrenamtliche an Initiativen vor Ort oder wirbt für Freiwilligendienste im Ausland. Sie betreut auch ausländische Jugendliche, die bei einem  Projekt in Köln mit anpacken möchten. Immer wichtiger werden auch erfahrene Bildungspaten. Sie lesen und spielen mit Kindern oder unterstützen Jugendliche dabei, einen passenden Beruf zu finden.
 
Engagement aufwerten
 
Der Dank für die vielen Freiwilligen soll aber nicht nur ein freundliches Lächeln sein oder ein warmer Händedruck. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) will ehrenamtliches Engagement deutlich aufwerten und hat bereits 2007 die Initiative ZivilEngagement "Miteinander – Füreinander" ins Leben gerufen. Sie entwickelt Projekte, Maßnahmen und Vorhaben, freiwilliges Engagement zu stärken. So soll ein Klima der Wertschätzung und eine lebendige Bürgergesellschaft entstehen.
 
Die Internetseite www.initiative-zivilengagement.de informiert über Engagement, motiviert zum Mitmachen motivieren und verknüpft Akteurinnen und Akteure. Wer sich konkret einbringen möchte, findet dort vielfältige Tipps und Kontaktadressen. Vor Ort können sich Interessierte bei Freiwilligenagenturen und Freiwilligendiensten informieren. Diese unterstützen, beraten und vermitteln Ehrenamtliche. Zahlreiche Städte unterhalten Datenbanken mit Projekten und Ansprechpartnern.
 
Mit den "Freiwilligendiensten aller Generationen" fördert das BMFSFJ die Etablierung einer neuen gesetzlich verankerten Engagementform, die Trägern, Einsatzstellen und Freiwilligen aller Altersgruppen verlässliche Rahmenbedingungen bietet. Die Freiwilligen engagieren sich mindestens acht Stunden pro Woche für wenigstens sechs Monate und werden in ihren Tätigkeiten qualifiziert und unterstützt. Interessierte sind gesetzlich unfallversichert und können sich unter anderem bis zu 60 Stunden jährlich weiterbilden. Im gleichnamigen Programm "Freiwilligendienste aller Generationen" fördert das BMFSFJ bundesweit 46 Leuchtturmprojekte, die vor Ort Strukturen des freiwilligen Engagements aufbauen und vernetzen. Die Einsatzfelder reichen von der Kinder- und Jugendbetreuung über die Begleitung von Seniorinnen und Senioren, der Unterstützung von Menschen mit Behinderung bis hin zu relativ neuen Feldern, wie Kultur, Migration sowie Umwelt- und Naturschutz.. Mobile Teams, die in allen Bundesländern aufgestellt sind, unterstützen Träger und Kommunen beim Aufbau weiterer Standorte für Freiwilligendienste, die das Miteinander der Generationen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken.
 
Ein aktives Alter fördern
 
Das Leitbild des aktiven Alters fördern will das Programm "Aktiv im Alter". Es soll die Verantwortung von Kommunen und Trägern für das freiwillige Engagement ihrer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger stärken. Die Instrumente sind die Bedarfserhebung für Angebote kommunaler Daseinsvorsorge und lokale Bürgerforen zur gemeinsamen Diskussion von Vertretern kommunaler Verwaltungen, Trägerverbänden, Organisationen und engagementbereiten Bürgerinnen und Bürger. Anschließend werden die Ergebnisse in frei gewählten Projekten durch ältere Freiwillige umgesetzt. Den Kommunen soll so das Potential ihrer älteren Bürgerschaft vor Augen geführt werden. Kommunale Einrichtungen und Institutionen sollen in diesen gemeinsamen Entscheidungsprozessen die Erfahrung gewinnen, dass es sich für Kommunen lohnt, sich für Bürgerengagement zu öffnen und die Eigeninitiative älterer Bürgerinnen und Bürger zu fördern.
 
Die programmatischen Grundsätze dieses Bundesmodellprogramms sind im "Memorandum Mitgestalten – Mitentscheiden. Ältere Menschen in Kommunen" zusammengefasst. Es wurde gemeinsam von Bund, Ländern, den kommunalen Spitzenverbänden, Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, Kirchen, Seniorenverbänden , Freiwilligenverbänden und dem Deutschen Olympischen Sportbund unter Federführung der BAGSO formuliert. Bis heute haben mehr als 1100 Personen, Organisationen und Kommunen diese Leitsätze mit ihrer Unterschrift öffentlich – im Internet sichtbar - bekräftigt.
 
Die ersten 50 Kommunen begannen mit der Erprobung der partizipatorischen Prozesse zwischen Kommunen und älteren Freiwilligen im Oktober 2008, im Juni 2009 folgte die zweite Welle mit weiteren 100 Kommunen. Eine wissenschaftliche Dokumentation wird die Erfahrungen aus diesem Modellprojekt veröffentlichen.