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"Eine Atmosphäre menschlicher Wärme"

Generationsübergreifendes Miteinander bietet für eine Gesellschaft im demografischen Wandel ein enormes Potenzial. Die Alterung der Bevölkerung und die räumliche Trennung von Familien machen neue oder die Reaktivierung alter zwischenmenschlicher Beziehungen notwendig.
Viele der 50- bis 65-Jährigen verfügen über ein großes Maß an Erfahrung, Kreativität und Engagementbereitschaft. Diese Potenziale möchten sie für sich und andere einsetzen. Und es gibt viele Situationen, in denen dieser Einsatz gebraucht wird: in Familien, Schulen oder Kindergärten. Sie alle freuen sich über die Unterstützung durch ehrenamtlich Engagierte.
 
Orte für ein generationsübergreifendes Miteinander   
 
Möglichkeiten für ein außerfamiliäres generationsübergreifendes Miteinander gibt es viele. Es entstehen immer mehr Orte, an denen sich Alt und Jung begegnen können, sich austauschen, voneinander lernen oder sich gegenseitig unterstützen. Zum Beispiel in den mittlerweile 500 regionalen Mehrgenerationenhäusern, die vom Bundesministerium für Familie, Soziales, Jugend und Frauen gefördert werden. Sie bieten vielfältige Leistungen an: vom gemeinsamen Theaterspielen und Musizieren bis zur Hausaufgabenhilfe. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Dienstleistungen rund um Haushalt und Familie.
 
Im niedersächsischen Salzgitter entstand das erste Mehrgenerationenhaus Deutschlands. Wie in einer Großfamilie kommen hier ganz verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters zusammen, um miteinander Alltagsprobleme zu lösen und sich gegenseitig zu helfen. "Nicht jeder kann alles, aber gemeinsam können wir das, was wir brauchen", so lautet das Motto des Mehrgenerationenhauses "SOS – Mütterzentrum" in Salzgitter. Der Gründerin Hildegard Schooß fehlten als neu Hinzugezogener die unterstützenden Strukturen einer Großfamilie, wie sie es aus ihrer eigenen Kindheit kannte. In Eigeninitiative mietete sie 1980 einen kleinen Raum, um sich dort mit anderen Müttern und ihren Kindern treffen zu können. Inzwischen ist es ein ganzes Haus, das täglich bis zu 400 Personen aus allen Altersklassen besuchen. Im Laufe der Jahre hat sich ein vielfältiges Angebot für jedes Alter etabliert. Dabei gibt es keine Trennung zwischen den Generationen.
 
Vorurteile abbauen
 
Auch im Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen wird generationsübergreifendes Miteinander aktiv gelebt. Im Rahmen der AG Sozialer Arbeitskreis (SAK) unterrichten Schülerinnen und Schüler Seniorinnen und Senioren und gestalten zusammen mit ihnen gemeinsame Aktionen. Zweimal die Woche bieten 65 Oberstufenschülerinnen und -schüler kostenlosen Unterricht in fast allen Schulfächern an. Zudem gibt es Denksport, Schach und Handy-Anleitung für die über 150 wissbegierigen Seniorinnen und Senioren. Neben dem Unterricht organisieren Jung und Alt zusammen fünf Feste im Jahr. Gemeinsame Exkursionen runden das generationsübergreifende Miteinander ab.
 
Beide Generationen profitieren von dem Miteinander: "Beide Seiten üben mitmenschliches Verhalten ein: Den Seniorinnen und Senioren wird ermöglicht, mit Jugendlichen in Kontakt zu treten, während den Schülerinnen und Schülern eine wichtige Gelegenheit zur Persönlichkeitsbildung und zum Lernen durch Lehren‘ geboten wird", verdeutlicht Ruth Schneider, Initiatorin des SAK. Die inzwischen pensionierte Lehrerin gründete den SAK bereits in den sechziger Jahren. Ihr Anliegen, "Vorurteile zwischen Jung und Alt abzubauen und eine Atmosphäre menschlicher Wärme aufzubauen", verfolgt sie noch heute.