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Heidetraud Volz hilft alter Frau am PC Quelle: privat Heidetraud Volz (links) ist selbstständige Senioren-Assistentin. Mit ihrer Unterstützung verliert auch eine Steuererklärung ihren Schrecken.

"Ich kann doch nicht jetzt schon schlappmachen!"

Datum: 11.05.2011

Heidetraud Volz musste früher als gewollt aus ihrem Beruf ausscheiden. Die ersten Jahre ihres Ruhestandes verbrachte sie mit der Pflege ihrer Eltern und ihres alkoholkranken Bruders. Die Erfahrungen, die sie dabei sammelte, hat die engagierte 66-Jährige um eine Ausbildung angereichert und sich als Senioren-Assistentin selbstständig gemacht.

Im Jahr 2003 erfuhr Heidekraut Volz, dass sie in ihrer EDV-Firma nicht mehr gebraucht wird. Der Betrieb war in der Krise, Personal musste abgebaut werden. Für die damals 58-Jährige ein Schock. Jahrelang hatte sie sich emporgearbeitet, hatte es von der Sekretärin zur Angestellten mit Führungsaufgaben gebracht, hatte als Personalreferentin und Projektleiterin gearbeitet. Und dann das plötzliche Ende. Ein Ende, das für sie zwei Jahre Arbeitslosigkeit und einen mit deutlichen Abschlägen versehenen Vorruhestand bedeutete.

"Nicht in ein Loch fallen"

Resigniert hat Heidetraud Volz deswegen nicht. "Ich bin sofort aktiv geworden", erzählt sie. "Um nicht in ein Loch zu fallen", hat sie sich an der Universität Hamburg für ein Kontaktstudium für ältere Menschen eingeschrieben. Volz besucht Vorlesungen über Philosophie, Politik und beschäftigt sich zunehmend mit medizinischen Fragen. Zum Studium kommt bald eine zweite Aufgabe hinzu: Ihre Eltern - sie wohnen im weit entfernten Frankfurt - sind inzwischen in einem Alter, in dem sie auf Betreuung angewiesen sind. Und so macht Heidetraud Volz das, was Millionen Frauen ihres Alters machen: Sie pflegt und betreut Mutter und Vater. Begleitet sie zu Ärzten, übernimmt Besorgungen, kümmert sich schließlich um einen Heim-platz, finanziert diesen sogar mit und löst nach dem Umzug ihrer Eltern ins Altenheim deren Wohnung auf. Parallel dazu - und das ist ein Schicksal, das nicht so viele teilen - kümmert sie sich um ihren alkoholkranken Bruder.

Eine neue Zukunft

Nach dem Tod ihres Vaters und ihrer Mutter in den Jahren 2008 beziehungsweise 2009 beginnt für Heidetraud Volz eine neue Phase. "Ich war plötzlich frei", erklärt sie, "ich habe gedacht: Jetzt schaue ich nach vorne und mache etwas für mich." Und so beschließt sie, die Erfahrungen, die sie während der Betreuung ihrer Eltern gemacht hat, in etwas Positives umzumünzen: Sie meldet sich im Frühjahr 2009 für eine Ausbildung zur Senioren-Assistentin an.

Ausbildung zur Senioren-Assistentin

Die Ausbildung, die Heidetraud Volz absolviert, trägt den etwas umständlichen Namen "Senioren-Assistenz - Plöner Modell". "Plöner Modell", diesen Zusatz im Namen gibt es, um diese Ausbildung auf dem wild wuchernden Markt der Senioren-Betreuung abzugrenzen von den vielen anderen, mehr oder weniger ähnlichen Ausbildungsformen. Das Plöner Modell existiert seit 2006 - zunächst war es ein von der Europäischen Union gefördertes Pilotprojekt, inzwischen hat es eine feste Form gefunden. "An drei Standorten in Deutschland", so Volz, "werden inzwischen pro Jahr ungefähr 100 Menschen in diesem Berufsbild ausgebildet." Vermittelt wird Fachwissen zu Alterskrankheiten, zur Gerontologie, Ernährung und Beschäftigung betagter Menschen. Ziel ist es, "die Lebenssituation älterer Menschen mit einer qualifizierten Dienstleistung zu verbessern." Es soll eine Ergänzung zu Hausarbeit und Pflege angeboten werden, wobei es gerade zu Letzterer eine klare Abgrenzung gibt: "Wir machen keine Pflege, dafür sind wir nicht ausgebildet", sagt Volz ohne Umschweife.

Wer Senioren-Assistent oder -Assistentin ist, macht anderes: Er oder sie leistet Hilfe im Alltag, organisiert, begleitet zum Arzt, ist Ansprechpartner für die kleinen, manchmal auch größeren Probleme des Alltags. Bezahlt wird diese Betreuung - wie die meisten haushaltsnahen Dienstleistungen - von denen, die sie in Anspruch nehmen: den Senioren selbst. Zwar will das Netzwerk der Senioren-Assistenten über kurz oder lang eine - zumindest teilweise - Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen erreichen. Bis dorthin, so Heidetraud Volz’ eigene Einschätzung, wird es aber "sicher noch ein weiter Weg sein."

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Im Oktober 2009 ist es so weit: Nach abgeschlossener Ausbildung beantragt Heidetraud Volz ein Gewerbe, macht sich als Senioren-Assistentin selbstständig. Als solche betreut sie Senioren - jetzt mit einem professionellen Hintergrund. Faszinierend findet sie daran eines ganz besonders: "Es tut einem richtig gut", sagt sie, "wenn die Menschen langsam Vertrauen fassen." Wie weit dieses Vertrauen gehen kann, bekommt sie zu spüren, als ein von ihr betreuter Senior sie bittet, einen Liebesbrief ins Englische zu übersetzen. Parallel gibt Heidetraud Volz ihr professionelles Wissen an andere weiter: Sie hält Schulungen und organisiert die Ausbildung von Senioren-Assistentinnen und -Assistenten in Hamburg. Als ob ihr das nicht reichte, engagiert sie sich auch noch in einem Netzwerk für Senioren-Assistenten. Was anderen vielleicht zu viel werden würde, kommt Heidetraud Volz gelegen. "Mir war wichtig, noch etwas Sinnvolles zu tun", sagt sie und fügt nach einer kleinen Pause leise lachend hinzu: "Ich gehe davon aus: Ich habe nach heutiger Erkenntnis noch viele Jahre vor mir, ich kann doch nicht jetzt schon schlappmachen!"

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