"Wer unterstützt, wird unterstützt": Förderung für freiwilliges Engagement
Datum: 08.11.2007
Freiwilliges Engagement ist eine Stütze der Gesellschaft – und verdient Unterstützung. Die bekommen Freiwillige und Trägerinstitutionen von vielen Seiten. Von finanziellen Zuschüssen über steuerliche Vergünstigungen bis hin zu Beratung, Schulung und Fortbildung: Ein Überblick über die Engagementförderung.
Unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten: Das ist das zentrale Motiv von Millionen Menschen, die sich freiwillig engagieren, so der Freiwilligensurvey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Bereitschaft zum Engagement ist groß – aber nicht selbstverständlich. Ob sie erhalten bleibt, hängt längst nicht nur von den Freiwilligen selbst und ihren Tätigkeiten ab.
Versicherungsfrage geklärt
„Rechtliche, organisatorische und finanzielle Bedingungen haben entscheidenden Einfluss darauf, ob und inwiefern Engagement möglich ist“, so das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Das fängt bei ganz konkreten Bedingungen für den individuellen Einsatz an: „Die Versicherung und Aufwandsentschädigungen sind immer wieder Thema in der Beratung“, sagt Ulrich Kluge, Leiter des Seniorenbüros Hamburg. Dort beraten und informieren Engagement-Lotsen über freiwillige Tätigkeiten.
Die Frage der Versicherung ist seit einer Reform der gesetzlichen Unfallversicherung 2005 weitgehend geklärt. Mittlerweile gibt es in fast allen Bundesländern Sammelversicherungen. Sie fangen das Risiko eines Unfalls oder von während der freiwilligen Tätigkeit verursachten Schäden auf – denn diese sind nicht immer von privaten Versicherungen abgedeckt, und nicht alle Träger können aufgrund ihrer finanziellen Lage Versicherungen für die Freiwilligen abschließen.
„Lasst Freiwillige an Fortbildungen teilnehmen“
Neben Zeit investieren Freiwillige meist auch Geld in ihre Tätigkeit. Nicht immer können Auslagen wie Fahrtkosten, Porto oder Fotokopien erstattet werden. Dafür gibt es die steuerliche Förderung, die 2007 von 1848 auf 2100 Euro angehoben wurde. „Eine wichtige Entscheidung“, meint Kluge. „Ich kenne Freiwillige, die mehr investieren, als der Freibetrag bisher abgedeckt hätte.“
Finanzielle Entschädigung könne jedoch nicht die Anerkennung der Freiwilligenarbeit ersetzen, betont Kluge. Zu einer Kultur der Anerkennung zählt auch die praktische Unterstützung: „Lasst die Freiwilligen an Fortbildungen teilnehmen“, sagt Kluge. Wichtig sei auch, den Freiwilligen Gelegenheit zum Austausch untereinander zu bieten.
Entwicklungsagenturen für die Zivilgesellschaft
Doch nicht nur für die Freiwilligen, auch für Träger und Beratungsinstitutionen wie das Hamburger Seniorenbüro müssen die Rahmenbedingungen stimmen. „Moderne Freiwilligenagenturen verstehen sich mit Recht als zivilgesellschaftliche Entwicklungsagenturen“, sagt BBE-Geschäftsführer Ansgar Klein. Sie vermitteln nicht nur Freiwillige, sondern sie informieren und beraten auch. Und sie helfen Organisationen, neue Freiwilligenplätze zu entwickeln.
Dafür benötigen die Agenturen entsprechende Mittel: kompetentes Personal, Räume und Ausstattung. Das Geld dafür kommt meist aus verschiedenen Töpfen. Oft sorgen Kommunen und Länder vor Ort für eine Grundfinanzierung. Dazu kommen Mittel für Projekte – zum Beispiel für Modellprogramme der Bundesregierung, aber auch aus der Wirtschaft.
Engagement wirksamer machen
„Unternehmen finanzieren gerne Projekte“, sagt Ansgar Klein, „aber keine Infrastruktur.“ Langfristige Förderung durch Unternehmen sei noch selten. „Für Freiwilligenagenturen und Seniorenbüros ist die Finanzierung durch die öffentliche Hand unverzichtbar“, lautet sein Fazit.
Die Stärkung der Rahmenbedingungen für die Engagementförderung ist daher wichtiger Bestandteil der Arbeit der Bundesregierung. Sie unterstützt gezielt Strukturen, indem sie Netzwerke wie das BBE und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen fördert. „Wer unterstützt, wird unterstützt“, so fasst das Bundesfamilienministerium einen Grundsatz seiner Initiative ZivilEngagement zusammen. Denn: „Organisationen, die freiwillig Engagierte vernetzen, beraten, qualifizieren und ihre Interessen vertreten, bilden eine Infrastruktur, die Engagement wirksamer und nachhaltiger macht.“

