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Hans Fleisch: "Ältere werden auch für das bürgerschaftliche Engagement immer wichtiger."

Datum: 15.10.2007

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat im August 2007 erstmals den „Beauftragten ZivilEngagement“ eingesetzt. Der 49-jährige Jurist Dr. Hans Fleisch hat das Ehrenamt übernommen. Im Hauptberuf ist er Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftung.

Erfahrung ist Zukunft (EiZ): Herr Fleisch, seit August sind Sie Beauftragter für ZivilEngagement des Bundesfamilienministeriums. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Ehrenamt zu übernehmen?

Hans Fleisch: Die Initiative ZivilEngagement des Bundesfamilienministeriums ist ein wichtiger Baustein für das große gesellschaftspolitische Projekt, unser Land noch mehr zu einer Bürgergesellschaft zu entwickeln. Als Beauftragter eröffnen sich mir Möglichkeiten, als ein Katalysator dabei zu helfen, das große Potenzial für noch vermehrtes freiwilliges Engagement besser auszuschöpfen.

EiZ: Sie sind der Erste, der diese Aufgaben übernommen hat; das Amt wurde ganz neu geschaffen. Wie sehen ganz konkret Ihre Aufgaben aus? Was wird das erste wichtige Projekt sein?

Fleisch: Das Amt hat vier Wirkrichtungen. Zum einen geht es darum, die sehr vielfältigen Aktivitäten des Bundesfamilienministeriums weiter zu bündeln. Zweitens geht es um vermehrte Außenkommunikation zu dem Thema, um es noch stärker in der Öffentlichkeit und im politischen Handeln zu verankern. Praktisch heißt dies, dass ich mit Akteuren der Politik und Multiplikatoren spreche, an Veranstaltungen teilnehme und dazu beitrage, Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema anzuschieben oder zu stärken. Drittens gilt es, das Zusammenwirken mit der Wirtschaft und den Verbänden und Netzwerken der gemeinnützigen Organisationen bei der Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements weiter zu verbessern. Und viertens ist meine Aufgabe, innovative Pilotprojekte der Engagementförderung und Forschungsvorhaben zu dem Thema zu konzipieren und auf den Weg zu bringen.

Wir wollen als erste wichtige Projekte die Unterstützungsstelle für Gemeinschaftsstiftungen im Osten des Landes fördern und die Datengrundlage rund um das Thema verbessern.

EiZ: Wo sehen Sie bislang Defizite, was bürgerschaftliches Engagement und ehrenamtliches Handeln angeht? Wie sehen Ihre Ziele aus, was wollen Sie verbessern?

Fleisch: Experten und Praktiker halten es für sehr wichtig, die Anerkennungskultur für freiwilliges Engagement in unserem Land zu verbessern. Dabei geht es vor allem auch darum, die bestehenden Organisationen für Menschen mit Migrationshintergrund zu öffnen und sie stärker mit einzubeziehen. Die engagementfördernde Infrastruktur ist zudem ausbaubedürftig. Die Unterstützung von Unterstützern des freiwilligen Engagements – wie für die Altergruppe junger Menschen im Schulalter oder von Senioren – ist entwicklungsfähig. Und das Zusammenwirken verschiedener Akteure zur Stärkung des freiwilligen Engagements kann und sollte verbessert werden. Dass diese Ziele der Initiative ZivilEngagement erreicht werden, dazu möchte ich beitragen. Mir liegt am Herzen, dass die Initiative weiterentwickelt wird und die Aktivitäten in ein gestärktes bürgerschaftliches Engagement münden. 

EiZ: Sie engagieren sich privat ehrenamtlich in Stiftungen und Vereinen. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Was motiviert Sie zu Ihrem bürgerschaftlichen Engagement?

Fleisch: Mit Ideen, Kooperationsbereitschaft, Zeiteinsatz und Durchhaltevermögen kann man vieles erreichen, das habe ich an vielen kleinen Dingen erfahren. Gemeinsam mit Freunden sammle ich Spenden für ein Recyclingprojekt in Äthiopien, und wir beraten die jugendlichen Betreiber des Recyclinghofs bei der Projektplanung und -abwicklung. Und bei uns im Dorf, zum Beispiel, hat jeder eine Aufgabe für die Gemeinschaft übernommen. Mein „Job“ ist es unter anderen, den öffentlichen Rasen in der Dorfmitte in Ordnung zu halten, auf dem Friedhof gärtnerisch zu helfen und gemeinsame Veranstaltungen der Dorfbewohner im Gemeindesaal mit vorzubereiten. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass vielleicht der Rasen gemäht ist, sondern dass alle gemeinsam etwas für die Gemeinschaft tun – das bereichert das Zusammenleben aller und motiviert ungemein.

EiZ: Sie sind eigentlich Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen – welche Verbindungen gibt es zwischen Ihrem Beruf und dem Ehrenamt als Beauftragter ZivilEngagement?

Fleisch: Als Generalsekretär des Dachverbandes der Stiftungen ist es meine Aufgabe, zur Stärkung des gemeinwohlorientierten Stiftungswesens beizutragen. Stiftungen sind eine tragende Säule der Zivilgesellschaft und das Schöne: Sie werden immer wichtiger. Insofern bin ich auch hauptberuflich in Sachen Stärkung der Bürgergesellschaft – mit dem Schwerpunkt Stiftungen – unterwegs.

EiZ: Welche Bedeutung hat das bürgerschaftliche Engagement älterer Bürgerinnen und Bürger?

Fleisch: Ältere Bürgerinnen und Bürger sind seit jeher eine wichtige Altersgruppe unter den bürgerschaftlich Engagierten. Die Engagementquote – auch bei den 55–65-Jährigen – liegt jedoch unter derjenigen anderer Altersgruppen. Das Potenzial für vermehrtes Engagement ist aber auch in dieser Altersgruppe groß und wächst. Unsere Gesellschaft gehört schon heute zu den ältesten der Welt – auch deshalb werden die Älteren für das bürgerschaftliche Engagement immer wichtiger. Die Alterung der Gesellschaft bringt durchaus Chancen. Ältere verfügen über Erfahrungswissen, das noch viel besser eingesetzt werden kann. Sie sind zeitlich flexibel und heute so fit und gesund wie noch nie. Um dies noch stärker zu nutzen, muss die stützende „Infrastruktur“ gestärkt werden. Unser Bild vom Alter muss sich wandeln; die vielfältigen Beiträge der älteren Generation für das Wohl der Gesellschaft sollten wir viel mehr anerkennen.

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