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Erstes "Berliner Demografie Forum": Unternehmen müssen umdenken!

Datum: 16.01.2012

Sind unsere Arbeitswelten familienfreundlich genug? Wie steht es um die generationenübergreifende Solidarität? Setzt die finanzielle Unterstützung des Staates an den richtigen Stellen an? Welche Rolle spielen aktuelle Wertvorstellungen in der Gesellschaft für Familien? Dies waren die Kernfragen des ersten "Berliner Demografie Forums", das am 12. und 13. Januar 2012 in der Bundeshauptstadt veranstaltet wurde. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sprachen dort über die Aufgaben einer tragfähigen Demografiepolitik.

Die Fakten zur Alterung unserer Gesellschaft und zur dauerhaft niedrigen Geburtenrate sind bekannt. Gesammelt findet man sie im Demografiebericht der Bundesregierung, der im Herbst 2011 erschienen ist. Bei der Entwicklung von Lösungskonzepten setzt Familienministerin Schröder auf den Gestaltungswillen der Menschen: "Männer und Frauen wünschen sich mehr Kinder, als sie tatsächlich bekommen, und 60 Prozent der Väter hätten gern mehr Zeit für Familie. Wenn wir den Menschen die Chance geben, diese Vorstellungen zu verwirklichen, dann sind wir dem demografischen Wandel schon viel besser gewachsen."

Betriebe müssen umdenken

Dabei nimmt die Familienministerin besonders die Unternehmen in die Pflicht: "Es kann nicht angehen, dass Zeit für familiäre Verantwortung automatisch mit schlechteren Aufstiegschancen bezahlt wird. Vielmehr muss die entscheidende Frage lauten: Wie wird die Arbeitswelt vereinbar mit den Bedürfnissen von Männern und Frauen mit Fürsorgeaufgaben?" Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei längst nicht mehr nur ein Thema der Frauen.

Auch Innenminister Friedrich sprach über notwendige Veränderungen im Erwerbsleben. Bei der Gewinnung von Fachkräften spiele auch die Zuwanderung eine wichtige Rolle. Zunächst sei es jedoch wichtig, die Menschen im eigenen Land zu qualifizieren und auch das Potenzial älterer Arbeitnehmer auszuschöpfen. Bei der Zuwanderung müsse europäisch gedacht werden. "Der arbeitslose junge Spanier oder Italiener belastet den gemeinsamen Euro genauso wie der arbeitslose Deutsche", sagte Friedrich.

Leistungsfähige Internetverbindung bis in jedes Dorf

Für die Entwicklung in ländlichen Gebieten sieht Minister Friedrich die flächendeckende Breitbandversorgung als ganz entscheidend an. Ob ärztliche Grundversorgung, Telearbeit oder Handwerksbetriebe, die sich überregional behaupten wollen - dies alles hänge von einem leistungsfähigen Netz ab. "Das ist für das Leben in ländlichen Räumen genauso wichtig wie Strom und Wasser."

Lösungen müssen ineinandergreifen

Schröder und Friedrich betonten beide, dass es für eine erfolgreiche Demografiepolitik auf gemeinsame Ziele ankomme. "Es wird nicht ausreichen, nur wirtschafts- oder sozialpolitische Antworten zu finden", sagte Kristina Schröder. "Die größte Herausforderung ist es, den Zusammenhalt insgesamt zu sichern." Hans-Peter Friedrich nahm besonders die Städte und Gemeinden in den Blick. Er sprach von einer Veränderung von unten nach oben: "Wir von der Bundesebene sind diejenigen, die die Rahmenbedingungen vorgeben können. Aber die eigentliche Umsetzung muss vor Ort in den Kommunen stattfinden. Ausgangspunkt all unserer Bemühung ist dabei der Mensch."

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