Sportlicher Spaß im Schnee
Datum: 07.12.2011
Runter vom Sofa, raus in die Natur! Im Sommer mag es leichter fallen, dieser Devise zu folgen. Aber auch im Winter ist es wichtig, sich zu bewegen, genügend Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Wintersport ist eine hervorragende Gelegenheit dazu. Entsprechende Sportarten gibt es viele und prinzipiell lassen sich alle auch im höheren Alter ausüben. Allerdings: Bestimmte Dinge sollten dabei beachtet werden - der Gesundheit, der Sicherheit und nicht zuletzt der Umwelt zuliebe.
Wer an Wintersport denkt, denkt früher oder später auch ans Skifahren. Verschneite Winterlandschaften, sanft geschwungene Pisten vor imposanter Bergkulisse: Die Beliebtheit des alpinen Skisports ist seit Jahrzehnten ungebrochen. Und es sind beileibe nicht nur die Jungen, die das Glück auf zwei Brettern suchen. Zwischen 35 und 40 Prozent beträgt der Anteil der über 50-Jährigen an den alpinen Skifahrern, sagt Dr. Hubert Hörterer, leitender Mannschaftsarzt Alpin des Deutschen Skiverbandes (DSV). Und - der Bevölkerungswandel lässt grüßen - die Tendenz ist stark ansteigend. Da die Menschen nicht nur immer älter werden, sondern im Alter auch immer gesünder und fitter sind, gibt der Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin grünes Licht für das Skifahren in höheren Semestern.
Gesundheits-Check ist wichtig!
Warum das alpine Skifahren auch Älteren guttut? Hörterer führt an, dass es gut ist für die Muskulatur, für den Bewegungsapparat und das Herz-Kreislauf-System. Auch nicht zu verachten: "Es findet in der freien Natur statt, und es gibt einen Spaßfaktor." Allerdings, daraus macht der Sportmediziner keinen Hehl, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. So sollte man als älterer Skifahrer einmal im Jahr einen Gesundheits-Check machen und kontrollieren lassen, ob das Herz-Kreislauf-System in Ordnung ist und keine orthopädischen Probleme vorliegen. "Hier muss man - nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Männern - schon ein bisschen auf die Osteoporose achten", sagt Hörterer. Auch wer das Okay seines Arztes hat, sollte nicht unvorbereitet auf die Piste steigen. Vorbereitung ist wichtig! Hörterer empfiehlt, sich das ganze Jahr über sportlich zu betätigen und etwa zwei Monate vor dem geplanten Skiurlaub eine altersspezifische Skigymnastik zu beginnen. Altersspezifisch sollte man sich auch auf der Piste verhalten. Hörterer: "Das Entscheidende ist, glaube ich, für den älteren Skifahrer: Er muss im Gehirn einen Schalter umlegen und sagen: 'Ich muss nicht mehr das machen, was vielleicht 30-Jährige machen.' Man soll sich gutes Wetter, gute Schneeverhältnisse aussuchen. Man muss nicht in jede eisige Buckelpiste reinfahren. Und sollte ruhig mal Pausen akzeptieren."
Spezielle Fahrtechnik
Wichtig für die Sicherheit ist nicht zuletzt, dass die Ausrüstung tipptopp ist. Hörterer empfiehlt gerade älteren Skifahrern zusätzlich zum Standard-Equipment einen Rückenprotektor. Ebenfalls für Ältere besonders geeignet: Skischuhe mit Geh-Mechanismus. Komfortabler wird das alpine Skifahren auch durch Verwendung moderner Skitypen wie Carving- oder Rocker-Ski (Hörterer lachend: "Die heißen nur so gefährlich!"). Entscheidender als die Technik der Ausrüstung ist aber letztlich wohl die Fahrtechnik. Hörterer selbst hat bereits vor Jahren eine sogenannte Schontechnik entwickelt, dank derer nicht einmal Menschen mit künstlichen Gelenken auf den Pistenspaß verzichten müssen: "Man muss nicht mehr mit Kraftaufwand fahren, hat eine etwas breitere Skistellung und fährt nicht den ganzen Tag hart auf der Kante herum." Laut Hörterer bieten mehrere Skischulen diesen Schon-Skilauf im Rahmen spezieller Kurse für Ältere an.
Skilanglauf
Gewissenhafte Vorbereitung, moderne Ausrüstung, schonende Fahrtechnik: Man kann viel tun, um auch mit 50, 60 und mehr Jahren Spaß auf der Piste zu haben. Und trotzdem ist das alpine Skifahren nicht jedermanns Sache. Wer es etwas weniger rasant angehen will, ist deshalb vielleicht beim Langlaufen besser aufgehoben. Für Thomas Egger, Chef des DSV-Bundeslehrteams Nordic, ist der nordische Skisport eine naheliegende Alternative zum alpinen - aus mehreren Gründen: Der zeitliche Aufwand ist geringer, der finanzielle auch. Und Langlaufen findet abseits vom Trubel der Pisten statt. Egger: "Ich merke, dass viele diese Ruhe im nordischen Skisport suchen."
Geringes Verletzungsrisiko
Hinzu kommen gesundheitliche Aspekte. Die Verletzungsgefahr, meint Egger, ist beim nordischen Skisport geringer als beim alpinen. Die erreichte Geschwindigkeit ist weniger hoch. Da Loipen meistens im Naturschnee angelegt werden, fällt man weniger hart als auf einer Piste. "Ich bin jetzt seit über 20 Jahren als Ausbilder unterwegs", sagt Egger. "Ich habe bei mir im Kurs noch nie einen Verletzten gehabt, von dem ich gesagt hätte: 'Mensch, der muss jetzt sofort ins Krankenhaus.'" Apropos gesundheitliche Aspekte: Langlaufen ist ideal, um die eigene Ausdauer zu trainieren. Thomas Egger weist allerdings darauf hin, dass man, wenn man optimale Trainingseffekte erzielen will, die richtige Lauftechnik beherrschen muss. Lernen könne man diese am besten im Skiverein. Wem eine Mitgliedschaft im Verein nicht liegt, hat die Möglichkeit, einen Kurs in einer der ca. 260 Skischulen des Deutschen Skilehrerverbandes zu absolvieren. Unter dem Stichwort "Neuer Schwung im Leben" bieten diese verschiedene Programme für ältere Menschen an - übrigens auch zum alpinen Skifahren. Auf der Website des Skilehrerverbandes lässt sich über eine Suchfunktion schnell und bequem ein passendes Angebot finden. Auch eine Telefonberatung ist möglich (Tel.: 081 71 / 34 72-0).
Schneeschuhwandern
Noch langsamer als beim Langlaufen ist das Tempo beim Schneeschuhwandern, einer Wintersportart, die stark im Kommen ist. Es handelt sich dabei um eine Art Winterwandern mit speziellen, anschnallbaren Schuhen, die aufgrund ihrer großen Flächen das Einsinken in den Schnee verhindern - oder zumindest vermindern. Thomas Bucher, Leiter des Ressorts Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Alpenverein, hält Schneeschuhwandern für eine Sportart, die den Bedürfnissen älterer Menschen ganz besonders entgegenkommt: Schneeschuhlaufen ist gelenkschonend, trainiert auf sanfte Art das Herz-Kreislauf-System, erlaubt ein selbst bestimmtes Tempo und bietet eine sehr intensive Naturerfahrung. Hinzukommt: Die benötigte Ausrüstung ist günstig zu erstehen, es fallen keine Liftgebühren an. Da man nicht an Infrastrukturen wie Pisten oder Loipen gebunden ist, kann man auch dort Schneeschuhwandern betreiben, wo Skifahren und -laufen unmöglich sind.
Naturschutz- und Sicherheitsaspekte
Schneeschuhlaufen ist ein Sport, der spontan und unkompliziert betrieben werden kann. Eine Anfahrt zur Piste oder Loipe entfällt, im Prinzip kann man sich die Schneeschuhe anschnallen und einfach loslaufen. Im Prinzip - in der Realität gibt es zwei Einschränkungen. Zum einen gilt es, die Natur zu respektieren, das heißt nicht zuletzt, keine Wildtiere aufzuschrecken. Zum anderen müssen Sicherheitsaspekte beachtet werden. Bucher: "Wenn man sich in ungesichertem Wintergelände bewegt, kann es Lawinen geben." Was wiederum Auswirkungen auf die Ausrüstung hat: "Wer auf eigene Faust im Gebirge unterwegs ist und in lawinengefährdetes Gelände kommt, muss ein Lawinenverschüttetensuchgerät, eine Sonde und eine Schaufel dabeihaben."
Am besten in der Gruppe
Grundsätzlich kann man Schneeschuhwandern ganz gut alleine betreiben. Bucher empfiehlt allerdings gerade Einsteigern, "sich erst einmal einer Gruppe anzuschließen, geführte Touren zu machen, mit Erfahrenen unterwegs zu sein oder auch einen Kurs zu machen." Warum? "Weil", sagt Bucher, "es doch einige Sachen gibt, die man einfach wissen muss. Selbst Orientierung kann ein Problem sein: Man läuft irgendwo in einen Wald hinein, und dann wird es dunkel und man findet nicht mehr zurück." Abgesehen davon, meint der Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins, sei es für viele einfach schöner, in der Gruppe zu wandern: "Ich glaube", sagt er, "dass beim Schneeschuhgehen das Miteinander-Reden, der Geselligkeitsaspekt eine ganz, ganz große Rolle spielt." Wer dies ebenso sieht und Anschluss an eine Gruppe sucht, ist im Deutschen Alpenverein gut aufgehoben. Dieser hat laut Bucher in seinen 354 Sektionen (Ortsgruppen) pro Jahr rund 1000 Angebote für Schneeschuhgeher. Die nächstgelegene Sektion finden Interessierte zum Beispiel auf der Website des Deutschen Alpenvereins.
Weitere Alternativen
Wer sich weder für das alpine Skifahren noch für das nordische Langlaufen begeistern und auch dem Schneeschuhwandern nichts abgewinnen kann, hat deswegen keinen Grund, den Winter komplett hinter dem Ofen zu verbringen. Möglichkeiten, in der kalten Jahreszeit an die frische Luft zu kommen, gibt es auch jenseits dieser Sportarten. Winterwandern käme zum Beispiel infrage. Oder wie wäre es zum Beispiel mit Schlittschuhlaufen? Oder mit Curling oder Eisstockschießen? Oder aber Sie holen den guten, alten Schlitten vom Dachboden und gehen mit den Enkelkindern eine Runde rodeln? Alles zu viel "Action"? Dann kommt immer noch das Eisfischen infrage. Aber Vorsicht: Unterschätzen Sie nicht das Risiko, sich eine Verkühlung zu holen …

